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Weltbürger. 650 Jahre Neukölln in Lebensgeschichten.
Ausstellung, Führungen, Gesprächsforen
21. Juni bis 30. Oktober 2010
Weltbürger. 650 Jahre Neukölln in Lebensgeschichten.
Ausstellung, Führungen, Gesprächsforen
21. Juni bis 30. Oktober 2010
Galerie im Saalbau
Karl-Marx-Str. 141, U-Bahn Karl-Marx-Straße
Ausstellungseröffnung: Sonntag, 20.6. um 12:00 Uhr
Frau Pham, Hanoi - Jena - West-Berlin - Hanoi - Neukölln -, landet am 14. November 1989 in Schönefeld. Sie will ein Taxi nehmen, fünf Mark reichen plötzlich nicht mehr aus. Passanten klären sie auf: "Die Mauer ist auf!" "In Vietnam hatten wir in den Nachrichten nichts erfahren. Und nun kam ich ins Chaos!"
Dr. Titus Nkongolo, Belgisch-Kongo, Demokatische Republik Kongo, Zaire, Polen, Göttingen, Bad Frankenhausen, Neukölln: "Deutsch lernte ich vor allem mit alten Damen. Die lagen auf der Station und niemand besuchte sie, also kam ich vorbei .Sie waren glücklich, dass jemand mit ihnen sprach und ich kam zu meinem Deutschunterricht".
Raymond, New Jersey, Los Angeles, Rheinland-Pfalz, Neukölln, Kind jüdischer Eltern aus der Pfalz: "Ich nahm an der großen Demo 1970 mit einer halben Million Menschen teil. Alle hatten lange Haare...Ich konnte mir ausrechnen: im August bin ich dran für Vietnam". Rays Entscheidung, in das "Land der Nazis" zu gehen, wird von den Eltern nicht akzeptiert.
Farhad, Kabul, Iran, Afghanistan, Ira, Türkei, Griechenland, Abschiebeknast Köpenick, Neukölln, seit seinem 1.Lebensjahr auf der Flucht: "Der Krieg war vorbei, aber in Afghanistan zu leben war wie die Hölle. Es gab keine Arbeit, die Frauen mussten in den Häusern bleiben. Unser Land war uns fremd geworden."
Diese Ausstellung, Teil der 650-Jahr-Feier Neuköllns, wird nicht 650 Jahre zurückliegende Geschichte betrachten, sondern Weltgeschichte summieren, so wie sie heute in Neukölln lebende Menschen erfuhren (und meist erlitten), nach Neukölln mitgebracht haben und die mit diesen Erfahrungen, Kompetenzen und manchmal auch traumatischen Erfahrungen die neue Identität Neuköllns heute prägen. Wie manifestiert sich bei ihnen die vielberufene "interkulturelle Kompetenz"? Oder bleibt Enttäuschung, Hass, Rückzug ins Private?
15 Menschen stehen mit ihrem Lebensweg, der nach Neukölln führte, mit ihren "Weltgeschichten" im Mittelpunkt des Projekts,
Das Projekt wurde in einer internationalen Neuköllner Projektgruppe erarbeitet. Die klare Ansage galt: "Wir werden uns nicht an einer Ausstellung über Migranten beteiligen; die Reduktion auf unseren Migrationshintergrund verletzt unsere Würde. Die Dichotomie hie Migranten - da Einheimische verstetigt die Ausgrenzung". Die gewählte Methode wurde das konsequente Verfolgen des Perspektivwechsels mit der Erkenntnis: "Der andere Blick verwandelt uns. Wir erkennen: Wir sind die anderen - Weltsicht schafft Weitsicht." Das ist in Neukölln möglich.
Die Frage wird weitergegeben an junge Neuköllner: Was sind ihre "Lieux de memoire"?
Gegenstand der Ausstellung ist Weltgeschichte. Die Erfahrungen der "nicht-nur-deutschen" Neuköllner lassen deren Bewegungen und Verwerfungen in oft nicht bewusster Nachhaltigkeit spüren. Die vielen unterschiedlichen Perspektiven ermöglichen die Konstituierung eines vielschichtigen Geschichtskaleidoskopbildes, in dem auch Scherben einen Sinn machen.
Veranstalter: Neuköllner Kulturverein e.V. In Zusammenarbeit mit dem Kulturamt Neukölln
Gefördert vom Fonds Soziokultur und der Stiftung Erinnerung, Verantwortung, Zukunft
Weitere Informationen: 90239 - 3771
www.kultur-neukoelln.de
Blog: http://weltbuergerneukoelln.wordpress.com
(Pressemitteilung des Kulturamtes Neukölln)

