Nachbarschaft (Kultur, Gemeinwesen, Integration, Gesundheit, Wohnen)

Aufgrund der großen Bandbreite des Handlungsfeldes "Nachbarschaft (Kultur, Gemeinwesen, Integration, Gesundheit, Wohnen)" werden die Teilhandlungsfelder in den nachfolgenden Darstellungen einzeln betrachtet:

Stadtteilkultur

In enger Abstimmung mit dem Kulturamt Neukölln wurde die Einrichtung der Kunstfiliale Flughafenstraße als Baustein des Neuköllner Konzepts dezentraler Kulturarbeit betrieben. Die Kunstfiliale im Rahmen des Festivals 48 Stunden Neukölln wurde im Jahr 2013 letztmalig aus Mitteln des Programms Soziale Stadt finanziert. Ziel war es, die zahlreichenden Kulturschaffenden in ein tragfähiges Netzwerk einzubinden, das zukünftig eigenständige Aktivitäten organisiert. Seit Anfang 2016 stellt der Kunstverein Neukölln in der Mainzer Straße 42 einen wichtigen Netzwerkknoten im Stadtteil für Kulturschaffende dar.

Ein weiteres Schüsselprojekt war das Soziale Stadt Vorhaben "Kultureller Bildungsverbund Flughafenkiez", in dessen Rahmen beispielhafte Kooperationen von Bildungseinrichtungen aus dem Flughafenkiez gefördert wurden. So haben die Evangelische Schule Neukölln und das Albert-Schweitzer-Gymnaisum gemeinsam mit Projektpartner*innen aus den Niederlanden sowie zahlreichen Sponsor*innen ein großes Tanztheaterprojekt realisiert. Die Hermann-Boddin-Schule hat mit Kitas aus dem Flughafenkiez ebenfalls kulturelle Bildungsprojekte im Übergang Kita/ Grundschule verwirklicht, die aufgrund ihres großen Zuspruchs als AGs im gebundenen Ganztagsbetrieb weitergeführt werden.

Integration und Gemeinwesen

Angesichts eines Bevölkerungsanteils von ca. 58% an Personen mit Migrationshintergrund im Gebiet Flughafenstraße ist der Handlungsbereich "soziale und interkulturelle Integration" von zentraler Bedeutung für die Quartiersmanagementarbeit.

Bei der gebietsbezogenen Integration handelt es sich um eine Querschnittsaufgabe, die auch in allen weiteren Handlungsfeldern im Sinne einer umfassenden Berücksichtigung der Belange der Bevölkerungsgruppen mit Migrationshintergrund Anwendung findet. Betrachtet man die im bundesweiten Statusbericht Soziale Stadt aufgeführten Maßnahmen, so finden diese durchgehend Anwendung in der Gebietsentwicklung für den Flughafenkiez (vgl. Difu 2008, 47):

  • Sprachförderung findet sowohl in Form von Mütterkursen in den Räumen des Kinder- und Elterntreffs als auch in Form des Selbstlernzentrums in der Helene-Nathan-Bibliothek sowie im Bildungsprogramm von Kitas und Schulen statt.
  • Zusammenarbeit mit Migrant*innenorganisationen findet sowohl in unterschiedlichen Formen vom fortlaufenden Informationsaustausch, z.B. mit Moscheevereinen, bis hin zur Beauftragung bzw. Trägerschaft von Soziale Stadt Projekten, z. B. das Türkisch-Deutsche Zentrum (TDZ) im Ganztagsbetrieb an der Albert-Schweitzer-Schule oder der Rize Kultur- und Solidaritätsverein bei Handarbeitsangeboten für Frauen aus dem Flughafenkiez statt. Zudem wurde die Migrant*innenselbstorganisation "Amaro Foro" mit der Trägerschaft eines Soziale Stadt Projektes zur gesellschaftlichen Eingliederung von Neuzuwanderern mit Roma-Hintergrund beauftragt.
  • Förderung der ethnischen Ökonomie wird im Rahmen der Quartiersmanagementarbeit mit der Zielvorgabe "Stärkung der unternehmerischen Potenziale der Gebietsbevölkerung" verfolgt, denn im Mittelpunkt steht nicht die Frage der ethnischen Herkunft, sondern der Stabilisierung und Profilierung des Wohn- und Arbeitsortes Flughafenkiez. Der Begriff "ethnische Ökonomie" ist im Sinne einer auf Integration abzielenden Stadtteilentwicklung nicht zielführend und hat zumeist eine Vielzahl von isolierten Einzelprojekten zur Folge, die auf einzelne ethnische Gruppen ausgerichtet sind, wodurch die übergeordnete Zielsetzung, den Wirtschaftsstandort Flughafenkiez zu stärken, aus dem Blickfeld gerät.
  • Einstellung von Mitarbeiter*innen mit Migrationshintergrund: Eine der drei Quartiersmanager*innen verfügt über einen Migrationshintergrund (türkisch).
  • Interkulturelle Öffnung von Einrichtungen wird in allen Bildungseinrichtungen im Flughafenkiez praktiziert und durch die Zusammenarbeit mit Migrant*innenvereinen intensiviert.
  • Förderung des interkulturellen Austausches findet sowohl im Rahmen von großen Nachbarschaftsfesten mit mehr als 1.000 Besucher*innen als auch im Rahmen kleiner Begegnungen statt.

 

Eine zentrale Institution im Handlungsfeld "Soziale und interkulturelle Integration" sind die Stadtteilmütter Neukölln, die insbesondere bei Frauen türkischer und arabischer Herkunft eine wichtige Multiplikatorinnenfunktion für die Themen Bildung, Wohnumfeld und Sicherheit sowie Gesundheit aufweisen. Alle Stadtteilmütter werden in einem halbjährigen Qualifizierungskurs auf ihre Tätigkeit vorbereitet.

Orte der Begegnung und des Austausches sind eine wichtige Voraussetzung für ein harmonisches Miteinander. Mit der Schließung des Mehrgenerationenhauses in der Flughafenstraße 21 im Januar 2012 ist ein zentraler Ankerpunkt für integrierte Ansätze der Gemeinwesenarbeit weggefallen. Im Gespräch mit den Anwohner*innen wurde jedoch der Bedarf eines Nachbarscahftszentrums festgestellt, weshalb nun nach einem passenden Standort gesucht wird. Für Senior*innen gibt es keine eigene Einrichtung im Quartier, jedoch ist das Bürgerzentrum Neukölln im angrenzenden Rollbergkiez auch für die älteren Bewohner*innen des Flughafenkiezes gut erreichbar.

Gesundheit

Die Handlungsansätze zum Themenfeld "Gesundheit" lehnen sich im Gebiet Flughafenstraße an den ganzheitlichen "Public Health"-Ansatz an.

Ein Schlüsselvorhaben im Rahmen der Quartiersentwicklung war die Herrichtung des Frühstücksraumes in der Hermann-Boddin-Schule, dessen Weiterentwicklung durch die Stiftung BrotZeit finanziell unterstützt wird. Kernanliegen ist es, allen Schüler*innen  der Hermann-Boddin-Schule durch ein gesundes Schulfrühstück gute Startchancen für den Schulalltag zu bieten.

Zentrale Kooperationspartner zur präventiven Gesundheitsvorsorge sind die im und um den Flughafenkiez angesiedelten Sportvereine. Zur Stärkung der Kooperationsbeziehungen von Schulen und Sportvereinen wurde im Jahr 2012 das Soziale Stadt-Projekt "Kiezolympiade" gestartet, durch dessen Arbeit erste Kooperationen von Schulen und Sportvereinen angeschoben wurden und im Sommer 2012 ein Sportfest der drei gebietsansässigen Schulen (Hermann-Boddin-Schule, Evangelische Schule Neukölln, Albert-Schweitzer-Gymnaisum) mit mehr als 150 Teilnehmer*innen stattgefunden hat.

Weitere Anknüpfungspunkte zur Verstetigung der präventiven Ansätze der Gesundheitsförderung im Flughafenkiez bietet  das bezirksweite Netzwerk "Gesundes Neukölln" sowie der Aufbau der Präventionskette nach dem "Dormagener Modell", der auf Ebene des Neuköllner Jugendamtes verfolgt wird.

Wohnen

Im wachsenden Flughafenkiez stellen sich heute andere Aufgaben als noch vor zehn Jahren. Um Wohnungsleerstände muss man sich keine Sorgen mehr machen, stattdessen gibt es andere Herausforderungen: In den vergangenen drei Jahren hat sich aus Sicht breiter Schichten der Gebietsbevölkerung die Verknappung des Wohnungsangebotes und die steigenden Mietpreise zu einem Kernproblem der Quartiersentwicklung entwickelt.

Um Luxusmodernisierungen und Verdrängung der Mieter*innen im Quartier Flughafenstraße zu verhindern, wurde von den Neuköllner Bezirksverordneten die Aufstellung eines „Milieuschutzgebietes“ beschlossen. Ziel der sozialen Erhaltungsverordnung – so der offizielle Name – ist es, die Zusammensetzung der Wohnbevölkerung zu erhalten und die Verdrängung einzelner Gruppen zu vermeiden.

Obgleich die Einflussmöglichkeiten des Quartiersmanagements auf den Immobilienmarkt und seine Akteure verschwindend gering sind, müssen die Sorgen und Nöte der Bevölkerung über nicht mehr bezahlbare Wohnungsmieten ernst genommen werden. Mit über 200 Gesprächen hat sich die bis 2016 angebotene ehrenamtliche Mieterberatung durch einen gebietsansässigen Anwalt als machbare und wirkungsvolle Herangehensweise bewährt. Seit 2017 findet einmal wöchentlich eine offene, bezirkliche Mieterechtsberatung im Quartiersbüro statt. Im Rahmen der mietrechtlichen Beratung können sich Bewohner*innen kostenfrei über Mieterhöhungen, Betriebskostenabrechnung oder Mängelbeseitigung informieren.