Mädchen- und Frauenpower im Blueberry Inn

Foto: Birgit Leiß
Foto: Birgit Leiß

Seit fast zwei Jahren gibt es im Kinder-und Jugendtreff Blueberry Inn einen Mädchentag. Jeden Samstagnachmittag wird - ganz ohne nervige Jungs  - gebastelt, gekickert, im Bauwagen gequatscht – oder auch mal getanzt.

Auf den Tanzworkshop am 10. Februar hatten sich Annalena und Emilia besonders gefreut. Die beiden Schwestern, 11 und 9 Jahre alt, finden: „Tanzen macht total Spaß!“ Nachdem die Tische und Stühle beiseitegeschoben waren, ging es los. „Der Tanz ist ganz einfach“, erklärte Praktikantin Gina. Mit viel Power führte sie zusammen mit ihrer Freundin zum Song „Break the chain“ die ersten Schritte vor. „Ganz schön schwierig“ fanden die Mädchen das am Anfang, aber nach einer guten Stunde ist der Tanz einstudiert. Am 14. Februar wurde er dann zusammen mit vielen anderen Frauen und Mädchen auf der Tanzdemo „One Billion Rising“ am Brandenburger Tor aufgeführt. Die weltweite Kampagne, die jedes Jahr stattfindet, will ein Zeichen setzen für ein Ende der Gewalt gegen Frauen. „Für die Mädchen ist das immer ein Wow-Effekt, wenn alle vor dem Brandenburger Tor die gleichen Schritte machen“, erzählt Gözde Gerdan von Outreach, dem Träger des Blueberry Inn.

Die Mädchen wollen aktiv sein

Geschlechtsspezifische Arbeit bedeutet für die Mitarbeiterin vor allem, auf die Bedürfnisse der Mädchen einzugehen: „Wir versuchen schon, ihnen unterschiedliche Themen wie Gewalt gegen Frauen oder Toleranz nahe zu bringen, aber wir drängen ihnen das nicht auf.“ Die Mädchen sollen selber entscheiden, auf was sie Lust haben. Und das sei vor allem: aktiv sein. Gemeinsam werden Waldspaziergänge unternommen, Bilder gemalt oder auch mal ein eigener Film gedreht. Emilia und ihre Schwester kommen ausschließlich zum Mädchentag ins Blueberry. „Unter der Woche müssen wir Hausaufgaben machen, außerdem fangen Jungs immer Streit an“, erklären sie einmütig. Für die Jungs gibt es seit neuestem den Jungentag am Montag, wo sie ganz unter sich sind.

Mütter gegen Randale

Der Sonntag soll schon bald den Müttern gehören. Derzeit trifft sich jeden Donnerstagnachmittag eine Gruppe von Frauen aus dem Kiez, um in gemütlicher Runde Ideen für ein Müttercafé, das zukünftig jeden Sonntag auf dem Käpt’n Blaubär Spielplatz stattfinden soll, zu sammeln. Die Idee war entstanden, nachdem es im letzten Sommer an den Wochenenden mehrfach Randale auf dem Spielplatz gab.  „Wir haben festgestellt, dass die Jugendlichen vor den Müttern Respekt haben“, erklärt Gözde Gerdan. Das Jugendamt des Bezirks unterstützt das Projekt  - ebenso wie den Mädchentag -  im Rahmen des Programms „Kiezorientierte Gewalt- und Kriminalitätsprävention.“ 2500 Euro an sogenannten fallunabhängigen Mitteln wurden bereitgestellt. Damit kann eine Honorarkraft finanziert werden, bis der Treff ins Laufen kommt und von den Müttern selbstverwaltet weiter geführt werden kann. „Es geht darum, sich den Raum zurückzuerobern“, sagt Michael Thoma, Sozialraumkoordinator im Jugendamt Neukölln. Die Gleichung sei einfach: „je mehr das Blueberry  bespielt und je mehr der Spielplatz genutzt wird, desto weniger Vandalismus.“

Blueberry Inn
Reuterstraße 10
Telefon (030) 606 90 598

Mädchentag: Samstags 15 bis 19 Uhr
Müttertag: Donnerstags 14 bis 19 Uhr, ab März sonntags auf dem Käpt’n-Blaubär-Spielplatz