Loswerden und Finden
Der Tausch- und Sperrmüllmarkt am oberen Ende des Sasarsteigs ist mittlerweile eine feste Größe im Flughafenkiez. Viele nutzten an diesem Nachmittag wieder die Gelegenheit, den Keller zu entrümpeln, abgelegte Kleidung wegzubringen oder Elektroschrott loszuwerden. Die Leute kamen mit alten Matratzen und Regaltrümmern auf Bollerwagen und Lastenrädern aus der Mainzer und Biebricher Straße oder trugen zerschlissene Sofas und abgewetzte Teppiche den Sasarsteig hinauf. Andere stöberten nach brauchbaren Dingen und schönen Zufallsfunden.
Liebe für alte Dinge
Eine Besucherin sicherte sich kurzentschlossen einen zweiteiligen Küchenschrank aus Omas Zeiten. Das nostalgische, aber leicht ramponierte Stück müsste allerdings aufgearbeitet werden. „Der Schrank braucht noch etwas Liebe“, so die erfreute Neu-Besitzerin, die ihn mit Hilfe eines Nachbarn auf einem Wagen nach Hause schob.
Am Stand der BSR lagen meist kleinere Dinge, die bald ein neues Zuhause fanden: von Kinderbüchern bis zum Heizstrahler, von der Knoblauchpresse bis zum Sombrero. Eine obskure „Schit-Parade“-Schallplatte fand eine neugierigen Besitzer, während Seemannslieder und Karel-Gott-Schlager weniger Interesse weckten. Auch im Kleider-Container konnte man skurrile Sachen finden, etwa die Uniformjacke eines Oberleutnants oder ein Löwen-Kostüm für den Kinderkarneval.
Entsorgung, Recycling und Müllvermeidung in einem
Illegal auf den Gehwegen und in den Grünanlagen abgestellter Sperrmüll ist schon seit langem ein Ärgernis – ganz besonders am Sasarsteig. Die Kampagne „Schön wie wir“ des Bezirksamts Neukölln hatte deshalb vor sieben Jahren die Idee des Tausch- und Sperrmüllmarktes entwickelt: Was man nicht mehr braucht, kann man an einem bestimmten Termin an einer zentralen Stelle im Wohngebiet vorbeibringen. Gleichzeitig kann man sich kostenlos an den ausrangierten Dingen bedienen. So beginnt manches Stück, das sonst auf den Müll wandern würde, ein zweites Leben. Was von niemandem mitgenommen wird, laden die BSR-Mitarbeitenden am Ende des Tages ins Müllfahrzeug zur ordnungsgemäßen Entsorgung.
Neuköllner Idee in ganz Berlin
Mittlerweile gibt es in allen Berliner Bezirken solche Kieztage, wie die BSR sie nennt. In Neukölln organisiert die „Schön wie wir“-Nachfolge-Plattform „Null Müll Neukölln“ die Tausch- und Sperrmüllmärkte. Sie meldet die Termine bei der BSR an, kümmert sich um die Orte und sorgt zusammen mit dem Ordnungsamt dafür, dass für die Müllfahrzeuge einige Parkplätze freigehalten werden. „Null Müll Neukölln“ war am 12. März auch mit einem Lastenrad mit Informationen zur Müllvermeidung vor Ort, ebenso wie das Quartiersmanagement Flughafenstraße mit einem Info-Stand.
Pro Bezirk gibt es jährlich bis zu 24 solcher BSR-Kieztage. Wer die Gelegenheit im Flughafenkiez verpasst hat, bekommt zum Beispiel am 25. April von 8 bis 13 Uhr am Herrfurthplatz noch eine nahegelegene Gelegenheit, Sperrmüll loszuwerden. Die BSR bittet, auf die Anlieferung mit Autos zu verzichten. Die Kieztage sind speziell für Anwohnende gedacht. Wer ein Auto hat, kann seinen Sperrmüll jederzeit zu einem der Recyclinghöfe bringen. Die BSR bietet außerdem die Tiptapp-App an, mit der man einen Transport per Nachbarschaftshilfe organisieren kann.





